
Wildpferd im Neandertal! (eigenes Foto)
Den Schamanen auf der Suche nach Heilpflanzen begleiten in der Höhe Raben, wie sonst nur, wenn er zur Jagd geht.
Einige Tage später war der Schamane mit Ingor unterwegs, um eine Zauber-Pflanze zu finden, die einer Frau helfen sollte, ein Kind zu bekommen.
Marina wünscht sich ein Kind, sagte er zu Ingor. Über ihr schwebt schon eine Seele, die als Mensch geboren werden möchte. Doch sie kann nicht schwanger werden. Vielleicht kann ihr ein Pflanzengeist dabei helfen? Weißt du, wo solch eine Pflanze wächst? fragte Ingor. Der Schamane schüttelte den Kopf. Ich weiß nur ungefähr die Richtung, in der eine solche Pflanze wachsen könnte. Wie sie aussieht, weiß ich nicht. Wenn wir an eine Stelle kommen, wo Kräuter, Sträucher und Bäume wachsen, werde ich fragen, welche Zauberpflanze Marina helfen kann. Ich werde die Pflanzen-Ältesten um Hilfe bitte und wenn uns dann einer sagt, dass er helfen kann und möchte, müssen wir herausfinden, wo die Pflanze wächst, die uns geantwortet hat. Du sollst mir dabei helfen.
Ingor nickte. Er war nicht ganz bei der Sache. Er zeigte nach oben und sagte: In der Höhe begleiten uns drei Raben. Sie kommen doch sonst nur mit, wenn du auf die Jagd gehst. Was hat das zu bedeuten? Warum sie heute mitkommen, weiß ich auch nicht, antwortete der Schamane. Auf unserem Weg wird es wohl etwas für sie zu fressen geben, nehme ich an. Vielleicht stoßen wir ja auf Wild und können es erlegen. Vielleicht begegnen wir auch dem Höhlenlöwen, meinte Ingor. Wenn er satt ist, können wir ihm seine Beute abjagen. Zwei Mann reichen dafür nicht aus, entgegnete der Schamane. „Und vielleicht ist er ja auch nicht satt. Wir müssen auf der Hut sein, aber wir dürfen uns nicht vor ihm fürchten. Er ist ja kein Menschenfresser, bis jetzt jedenfalls nicht.
Als sie ins Tal kamen und der Schamane sich den Pflanzen zuwandte und die Pflanzen-Ältesten fragte, wer von ihnen der Marina helfen wolle, dass sie von ihrem Mann ein Kind bekommen könne, antwortete niemand, aber als er fragte, ob ihr jemand helfen könne, ein Kind zu bekommen, egal von welchem Manne, vernahm der Schamane aus einem Gebüsch ein deutliches Ja. Ingor hatte nichts gehört. Der Schamane sagte, dass er sich versenken und in sich hinein lauschen müsse, um zu hören, was die Zauber-Pflanzen sagten. Jetzt hieß es, herausfinden, von welchem Pflanzen-Ältesten dieses Ja kam. Der Schamane konnte in dem Gebüsch die Anwesenheit mehrerer Pflanzen-Ältesten wahrnehmen. Einer von ihnen musste es sein. Als er sich langsam im Kreis drehte und sein Körper der Zauberpflanze zugewandt war, spürte er in seinem Bauch, aus welcher Richtung die Antwort gekommen war. Er wollte schon schnurgerade in dieser Richtung ins Gebüsch eindringen, doch einer seiner Hilfsgeister warnte ihn. Auch Ingor spürte, dass dort etwas nicht geheuer war, und dass es besser wäre, wenn sie das Gebüsch, das dicht und undurchdringlich schien, in einem Bogen umgingen. Aber die Gefahr, die dort lauerte, mussten sie wohl in Kauf nehmen, wenn sie Marina helfen wollten.
Ihre Speere stoßbereit gingen sie auf das Buschwerk zu und drangen vorsichtig, die Zweige beiseite schiebend, in sein Dämmerlicht ein. Sie waren kaum ein paar Schritte weit gekommen, als sie auf zwei kleine Löwen stießen. Sie lagen vor ihnen im dürren Gras und wackelten mit ihren großen Köpfen. Ingor freute sich, aber der Schamane erstarrte. Ihre Mutter hat sie hier versteckt, flüsterte er. Sie kann jeden Augenblick zurückkehren. Nach allen Seiten umherspähend, schlichen sie sich wieder aus dem Gebüsch heraus. Kein Ast knackte unter ihren Füßen. In seiner freien Hand hielt der Schamane einen kleinen Ast mit grünen Blättern.